Brustkrebs
Dieses Kapitel wurde durch die Herausgeber von Cancer.Net im August 2008 durchgesehen und freigegeben. © 2006-2009 American Society of Clinical Oncology (ASCO).
Übersicht
In den USA ist der Brustkrebs der am Häufigsten vorkommende Krebs bei Frauen (unter Ausschluss von Hautkrebs) und die zweithäufigste Todesursache von Krebs bei Frauen, nach Lungenkrebs. Männer können auch Brustkrebs bekommen, aber Brustkrebs beim Mann ist selten und macht weniger als 1 % aller Brustkrebsfälle aus.
Die Brust besteht vor allem aus Fettgewebe. Innerhalb dieses Gewebes besteht ein Netzwerk von Lappen, die durch feine, schlauchartige Strukturen – genannt Läppchen – gebildet werden, die die Milchdrüsen enthalten. Feine Gänge verbinden die Drüsen, Läppchen und Lappen und bringen die Milch von den Lappen zur Brustwarze, die sich in der Mitte des Warzenhofes (Areola, das dunklere Gebiet, das die Brustwarze umgibt) befindet. Blut- und Lymphgefässe ziehen durch die Brust. Blut ernährt die Zellen und das Lymphsystem entsorgt Abfallprodukte des Körpers. Die Lymphgefässe münden in Lymphknoten. Dies sind kleine, bohnenförmige Organe, die normalerweise helfen, Infektionen zu bekämpfen.
Ungefähr 90 % aller Brustkrebsfälle beginnen in den Gängen oder Lappen. Ungefähr 75 % aller Brustkrebse gehen von den Zellen aus, die die Milchgänge auskleiden, und werden duktale Karzinome genannt. Krebs, der in den Lappen beginnt, wird lobuläres
Karzinom genannt. Wenn die Krankheit sich ausserhalb des Ganges und in das umgebende Gewebe hinein ausgedehnt hat, bezeichnet man sie als invasives oder infiltrierendes duktales Karzinom. Wenn sich die Krankheit ausserhalb des Läppchens ausgedehnt hat, wird sie invasives oder infiltrierendes lobuläres Karzinom genannt. Eine Krankheit, die sich nicht ausgedehnt hat, wird „
In situ“ genannt, das bedeutet „am Ort“. Der Verlauf einer in situ-Erkrankung wie auch ihre Behandlung hängt davon ab, ob es sich um ein duktales Karzinom in situ (DCIS) oder um ein lobuläres Karzinom in situ (LCIS) handelt.
Zu Zeit empfehlen Onkologen, dass das DCIS, welches die Mehrzahl der in situ-Brustkrebse ausmacht, chirurgisch entfernt wird, um möglichst den Übergang des Krebses in einen invasiven Brustkrebs und die Ausdehnung in andere Teile des Körpers zu verhindern. Zusätzlich zur Operation können auch eine
Strahlentherapie und eine
Hormontherapie für ein DCIS empfohlen werden.
LCIS wird nicht als Krebs betrachtet und wird üblicherweise durch den Arzt nachkontrolliert. LCIS ist ein Risikofaktor für Brustkrebs (siehe Risikofaktoren).
Andere, weniger häufige Arten von Brustkrebs schliessen medullären, muzinösen, tubulären, metaplastischen oder papillären Brustkrebs ein. Inflammatorischer Brustkrebs ist eine schneller wachsende Art von Krebs, die etwa 1 – 5 % aller Brustkrebs-Fälle ausmacht. Er kann als Infektion der Brust fehlinterpretiert werden, weil oft eine Schwellung der Brust vorliegt und eine Rötung der Haut der Brust. Die Paget’sche Erkrankung ist eine Art von in situ-Krebs, der in den Gängen der Brustwarze beginnen kann. Die Haut erscheint oft rau und kann jucken.
Krebs kann als eine einzelne, genetische abnormale Zelle beginnen. Wenn sich diese eine Zelle weiter teilt, kann sie schliesslich zu einem Tumor (einem Zellhaufen) werden und entwickelt eine eigene Blutversorgung, um ihr fortgesetztes Wachstum zu ermöglichen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt können sich Zellen vom ursprünglichen Zellhaufen ablösen und sich in andere Körperteile bewegen in einem Vorgang, den man Metastasierung nennt.
Brustkrebs dehnt sich aus, wenn Brustkrebszellen sich durch Blut- und/oder Lymphgefässe an andere Orte im Körper hin bewegen. Ein üblicher Ausbreitungsort sind die regionalen Lymphknoten. Die Lymphknoten können axillär (in der Achselhöhle, unter dem Arm), zervikal (am Hals) oder supraklavikulär (gerade oberhalb des Schlüsselbeins) sein. Die häufigsten Orte einer Fernmetastasierung sind Knochen, Lungen und Leber. Weniger häufig kann Brustkrebs sich auch ins Hirn ausdehnen. Der Krebs kann auch wiederauftreten (Zurückkommen nach einer Behandlung, Rückfall,
Rezidiv), und zwar lokal in der Haut, in der gleichen Brust (wenn diese nicht als Teil der Behandlung entfernt worden war), in anderem Gewebe der Brustwand oder anderswo im Körper.
Meistens wird Brustkrebs diagnostiziert und behandelt, bevor Metastasen auftreten. Entsprechend den letzten Zahlen des National Cancer Institute (NCI, offizielles Krebsinstitut der USA) werden 61 % der Krebsfälle diagnostiziert, während der Krebs noch auf die Brust beschränkt ist; 31 % werden diagnostiziert, nachdem sich der Krebs in die benachbarten Lymphknoten oder gerade ausserhalb der Brust ausgedehnt hat; und 6 % werden diagnostiziert, wenn der Krebs bereits über die benachbarten Lymphknoten hinaus metastasiert hat.